Factsheet German

Was ist der oder ein BIMserver?
Ein BIMserver ist keine Computer-Hardware, die irgendwo aufgestellt ist und die man in dem Sinne nutzen kann, sondern beim BIMserver handelt sich um eine so genannte Open–Source-Software. Diese Software können Sie kostenlos herunterladen und auf jedem Computer installieren. Nach der Installation ist der Computer (Laptop, PC, Server-Rack) also gleichzeitig ein BIMserver. Den eigentlichen BIMserver gibt es also nicht. Es gibt nur die Software, mit der man einen BIMserver bauen kann.

Um was für eine Software handelt es sich?

Mit der Software verfügen Sie über einen Server, der mit IFC-Daten umgehen kann. Sie können die IFC-Daten, meist in Form von IFC-Dateien, auf den Server hochladen. Die Software analysiert die Daten in den Dateien und speichert diese Daten in einer darunter liegenden Datenbank. Der Kern der BIMserver Software „versteht” die IFC-Struktur und schafft damit ein Software-Tool, das die Benutzer beim Umgang mit BIM-Modellen in IFC unterstützt.

Warum IFC?
IFC ist derzeit der am häufigsten verwendete und ausgereifteste offene Standard für BIM-Modelle. Es gibt noch andere, geschlossene Standards, die möglicherweise häufiger benutzt werden, diese werden jedoch nicht unterstützt, um die Abhängigkeit von kommerziellen Software-Anbietern einzuschränken. Außer IFC kennt die BIMserver-Software auch andere offene Standards für BIM, dazu aber später mehr.

Was kann die Software / mein BIMserver?
Die BIMServer-Software bietet viele Möglichkeiten. Es hängt vom Anwender ab, welche ihn am meisten ansprechen. Hier einige Beispiele: Der BIMserver bietet die Möglichkeit, ein Projekt mit Teilprojekten einzurichten. Jeder Fachbereich oder Teil des Gebäudes hat dann ein eigenes Projekt mit eigener Benutzer- und Rechteverwaltung. Weil der BIMserver versteht, wie die IFC-Daten zusammengehören, werden alle untergeordneten Teilprojekte immer ordentlich in die übergeordneten Projekte eingefügt. Das Zusammenfügen von IFC-Daten aus unterschiedlichen Fachbereichen geschieht unmittelbar nach jeder Änderung. Nach Änderungen erkennt die Software Unterschiede in den IFC-Daten; verfügt über Versions- und Revisionsverwaltung. Die Abmeldefunktion (Checkout) überwacht, wer in welchem Teil des Modells arbeitet. Wenn eine andere Person eine Änderung zum Server hochlädt, erfolgt automatisch eine Benachrichtigung. Dies unterstützt einen simultanen Entwicklungsprozess.

Was kann ein BIMserver noch?
Eine weitere beliebte Besonderheit ist die Kollisionserkennung bei (fusionierten) IFC-Daten sowie die Möglichkeit, sich auf Änderungen (eines Teils) des Modells zu „abonnieren”.
Andere Nutzer legen großen Wert auf die automatische Aktualisierung der KML-Verknüpfung. Dies ermöglicht Kunden den Fortschritt des Projekts mittels Google Earth zu beobachten. Auch der Export in CityGML, ifcXML, Collada (für Sketchup) ist sehr beliebt. Die O3D/WebGL-Funktion ermöglicht es, BIM-Modelle im Web-Browser zu betrachten, ohne spezielle IFC-Software auf den PC installieren zu müssen.
Technische Anwender wiederum schwören auf die Abfrage- und Filtermöglichkeiten der IFC-Daten. Einfach programmierte Abfragen wie „Zeige nur 2. Etage” oder „Zeige alle Fenster” werden oft verwendet.
Aber auch komplexere Abfragen, wie „Zeige alle Türen auf der 3. Etage, die breiter als 900 mm sind” sind mithilfe der erweiterten Abfragefunktion frei programmierbar.
Die Freaks unter uns finden die verschiedenen Schnittstellen (Webuser-Schnittstelle, REST-Schnittstelle und SOAP) und das Arbeiten mit einem EMF-Framework phantastisch.

Wem gehört der BIMserver?
Man spricht häufig vom „BIMserver von TNO”. Dies ist nicht korrekt. Bei jedem Open-Source-Projekt ist und bleibt der Lieferant des Quellcodes (der Programmierer, oder sein Chef) der Besitzer seines eigenen Codes. Die BIMserver-Software enthält viele Bestandteile des Codes von TNO, aber auch von der TU in Eindhoven, von Oracle und einer kleineren Gruppe von Programmierern, die Bugs beseitigt haben. Jeder, der Codes anliefert, bleibt Besitzer seines / ihres eigenen Codes.
Der Quellcode, der den Kern des BIMservers bildet, wurde von Jakob Beetz programmiert und ist Eigentum der TU Eindhoven. Die zugrunde liegende Datenbank ist eine BerkeleyDB, die Oracle gehört. Der größte Teil des Quellcodes des BIMservers wurde von TNO programmiert. Der BIMserver funktioniert nicht ohne den Quellcode von TNO, aber auch nicht ohne den der TU Eindhoven.
Die Frage, wem der BIMserver gehört, ist daher nicht leicht zu beantworten. Die formale Antwort ist: sie gehört jedem, der einen Beitrag dazu geleistet hat.

Ist die BIMserver.org-Software wirklich kostenlos?
Ja. Solange sich ein Nutzer an die Bedingungen der Open-Source-Lizenz hält (z.B. den Quellcode nicht in eigene proprietäre Software einbaut), sind Quellcode und kompilierter Code (Software) wirklich kostenlos. Auch die mit dem BIMserver gelieferten Komponenten sind bei Verwendung des BIMservers kostenlos.

Wie (und warum) kam es überhaupt zu diesem Projekt?
Bei Bauunternehmen gab es einen enormen Bedarf an BIM-Modell-Servern. Die damaligen (BIM)-Server entsprachen jedoch nicht den Anforderungen und Ansprüchen der Bauwirtschaft. TNO entschloss sich daher, ein internes Knowhow-Projekt für die am besten geeignete Technologie für BIMserver zu starten. Die dabei entwickelte Software kann als Nebenprodukt der gesammelten Erkenntnisse gesehen werden. Dieses Nebenprodukt wurde als Open Source zur Verfügung gestellt, in der Hoffnung, Innovationen in diesem Sektor zu beschleunigen.

Wer bezahlt die (Weiter-)Entwicklung von BIMserver?
Derzeit gibt es keine strukturelle Finanzierung. Die Entwicklungen erfolgen ad-hoc und am Rande anderer Projekte. Daher gibt es weder einen Leitfaden noch eine Planung. Um wirklich große Fortschritte machen zu können, ist eine strukturelle Finanzierung erforderlich.

Entspricht die BIMserver.org-Software allen Standards?
Die BIMserver-Software entspricht vollständig dem IFC und den IFC-bezogenen Standards. Dies betrifft auch die niederländischen Erweiterungen und Normen und die IFC-Daten, die mit IFD erzeugt wurden.
Zudem gibt es einen Export nach ifcXML, CityGML (mit offizieller GeoBIM/IFC-Erweiterung), Collada (Sketchup), KMZ (Google Earth) und O3D/WebGL (Web Browser).
Hiermit entspricht der BIMserver allen ausgereiften offenen Standards, die für BIM-Anwendungen eingesetzt werden.

Warum ist die BIMserver-Software nicht IFC zertifiziert?
Die IFC-Zertifizierung konzentriert sich auf die korrekte Interpretation und Erstellung der Geometrie. Andere BIM-Software muss die IFC-Geometrie für die eigene interne Struktur interpretieren. Es muss sichergestellt werden, dass dies korrekt geschieht. BIMserver speichert alle Daten als IFC, ohne Interpretation oder Umwandlung in eine andere, eigene, interne Struktur. Die aktuelle Zertifizierung ist daher für BIMserver ungeeignet.
Die Eingabe und Ausgabe von BIMserver ist allerdings 100 %-ig IFC. Das Entwicklerteam ist stolz darauf und setzt sich dafür ein, dass dies so bleibt. Die Anwendergruppe (unter anderen wichtige IFC-Administratoren) überwacht dies genauestens. Dies gilt übrigens auch für die Ausgabe in andere Standards wie u. a. ifcXML, CityGML.

Kann BIMserver auch mit IFD arbeiten?
Ja. Was viele Menschen nicht wissen: BIM-Modelle, die mit Hilfe einer IFD-Bibliothek (oder kompatibel) aufgebaut sind, sind schlichtweg „Property Sets” in IFC-Modellen. Der BIMserver kann diese Modelle somit mühelos verarbeiten.
Da ein BIMserver jedoch keine IFD-Bibliothek ist, kann er nicht auf die entsprechenden Meta-Daten zugreifen.

Haben Partner und Auftraggeber Zugriff auf meinen BIMserver?
Ja! Allerdings nur, wenn Sie es gestatten. Wenn Sie Partnern und/oder Auftraggebern Zugriff auf Ihren BIMserver gewähren wollen, erstellen Sie einfach einen neuen Benutzer (und die Benutzerrechte für ein Projekt). Danach benötigt der Benutzer nur noch einen Webbrowser (Internet Explorer, Safari, Firefox, Chrome, etc.), um Modelle hochzuladen, herunterzuladen, zu suchen, zu betrachten, usw. Durch eine geschickte Verwaltung der Rechte können Benutzer nur ihre eigenen Daten ändern und nur die Daten anderer aus dem gleichen Projekt herunterladen, betrachten, usw.

 

An wen kann ich mich wenden, wenn etwas schief geht oder wenn ich etwas nicht verstehe?
Dies ist im Allgemeinen die Standardfrage bei jedem Open-Source-Projekt. Daher ist auch die Antwort die gleiche wie bei den meisten Open-Source-Projekten. Sie können eine E-Mail an die Mailingliste schicken. In dieser gibt es viele Anwender und Entwickler, die sich gegenseitig helfen. Meistens erhalten Sie noch am selben Tag eine Antwort auf Ihre Frage (was bei proprietären Software-Anbietern kaum vorstellbar ist).
Es gibt auch immer mehr größere und kleinere Firmen, die Dienstleistungen rund um die Software anbieten, beispielsweise das Hosting eines BIMservers, einschließlich Erstellung von Sicherungskopien, Aktualisierungen, usw. All dies mit der Sicherheit einer schnellen Verbindung, ausreichendem Speicherplatz und oft sogar mit der Garantie für die Beseitigung von Bugs. Diese Firmen kann man entsprechend beauftragen und wenn man Fragen hat gegebenenfalls anrufen. Sie sind hierbei nicht an einen Software-Anbieter gebunden, sondern können sich für die Partei entscheiden, die am besten zu Ihnen passt.

Funktioniert die Software auch auf einem Apple?
Die BIMserver-Software ist in Java geschrieben und plattformunabhängig. Das bedeutet, dass die BIMserver-Software auf allen Systemen installiert werden kann, auf denen Java läuft (in der Praxis sind das also alle Systeme).
Für den durchschnittlichen Endanwender, der über einen Webbrowser mit einem BIMserver eine Verbindung aufbauen möchte, ist dies jedoch nicht so wichtig. Die integrierte Webuser-Schnittstelle (die sichtbar ist, wenn man über einen Webbrowser auf dem BIMserver einloggt) entspricht vollständig den W3C-Standards und ermöglicht somit die Nutzung aller regulären Web-Browser. Zur Beantwortung der Frage: Ja, die Software läuft unter Windows, Apple, Unix, Linux, usw., und die Webuser-Schnittstelle wurde in Internet Explorer, Safari, Firefox, Chrome, K-Meleon, usw. getestet.
Da BIMserver auch die IFC-Engine DLL nutzt, ist es möglich, dass einige Export-Funktionen in manchen Systemen nicht funktionieren. Diese Systeme haben wir jedoch noch nicht gefunden. Die DLL-Funktionen der IFC-Engine wurden getestet und funktionieren unter Windows, Linux, Unix und Apple. Sowohl auf 32- als auch 64-Bit-Systemen.

Wie ist die System-Architektur aufgebaut?
Sehr clever, nämlich durch die Anwendung eines “Model Driven Architecture“-Ansatzes. Die Software liest das IFC-Schema (.exp-Datei) ein. Daraus werden alle Objektklassen und Attribute der IFC ausgelesen. Die dabei entstandene Struktur wird in einem EMF (e-core) Modell untergebracht. Dieses EMF-Modell ist der Kern der BIMserver-Software. Hiermit werden Java-Objekte und die SOAP-Schnittstelle generiert. Dank dieses Ansatzes verfügt der Quellcode von BIMserver über die so genannte Anwendungslogik („application logic”), die jeden Programmierer glücklich macht.
Diese Anwendungslogik wird auch für die Erstellung einer Datenbank verwendet. Da IFC eine Netzwerkstruktur hat, wurde eine Key-Value-Store-Datenbank gewählt. Hierfür wird die BerkeleyDB-Datenbank (Oracle) eingesetzt, die bei Transaktionen sehr schnell ist und somit genau das ist, was der BIMserver benötigt. Zwischen dem EMF-Modell und der Berkeley-Datenbank gibt es noch einige generische Schnittstellen, wodurch es möglich ist, auch andere Datenbanken als Speichermedium zu verwenden.
An der Oberfläche des EMF-Modells werden verschiedene Internet-Schnittstellen generiert, unter anderem die SOAP-Schnittstelle, aber auch die Webuser- sowie eine REST- (artige) Schnittstelle.
An der Seite des EMF-Modells ist die IFC-Engine DLL eingehängt. Diese ist nicht Open Source und wird für die Interpretation der Geometrie verwendet. Die Kommunikation zwischen der IFC-Engine DLL und dem EMF-Modell geschieht fließend und ist dadurch sehr schnell.

Wer beschäftigt sich damit?
Es gibt einige hundert Anwender (Stand: Mai 2010) rund um die Welt, die die Software aus unterschiedlichen Gründen benutzen. Außerdem sehr viele vorübergehende Benutzer, die sie nur kurz ausprobieren. In Australien, Kanada und Schweden beschäftigen sich Forschungsinstitute mit dem Quellcode. Und natürlich ist man bei der TU Eindhoven und bei TNO sehr aktiv.
Ferner gibt es verschiedene Software-Anbieter, die sehr daran interessiert sind, ihre eigene Software an die (SOAP) BIMserver-Schnittstelle anzubinden. Es wurden jedoch noch keine konkreten Schritte unternommen.
In den Niederlanden sind die Anwender etwas im Rückstand. Nur spärlich beschäftigen sich die ersten Benutzer damit. Die Niederlande sind allerdings das Land, in dem über diese Initiative am häufigsten diskutiert wird.

Warum sollte ich nicht einfach Navisworks/Solibri verwenden?
Hintergrund und Zielsetzung der beiden Software-Tools sind sehr unterschiedlich. Das Schöne ist, dass Navisworks/Solibri in Verbindung mit BIMserver Ihrem Projekt viele Extras bieten kann. Navisworks/Solibri ist in erster Linie ein Software-Paket für die Modell-Analyse. BIMserver wurde vor allem für die Modell-Verwaltung entwickelt, beispielsweise für das Zusammenfügen von Teilmodellen, vor allem jedoch auch für die Benutzer-, Revisions- und Versionsverwaltung sowie Benachrichtigung bei gleichzeitigen Änderungen (Simultaneous Engineering – Verteilte gleichzeitige Entwicklung bei verschiedenen Anwendungen), Alternativanalysen, Live-Link zu Google Earth, Abfragefunktionen, usw. Das Ziel von Navisworks/Solibri ist somit ein ganz anderes als das des Open-Source-BIMservers. Navisworks/Solibri wird immer häufiger als ein Software-Paket eingesetzt, das Daten zu Analysezwecken vom BIMserver abruft.

Was ist mit WebGL?
www.bimsurfer.org

Was ist mit CityGML und wie sieht es mit der Erweiterung für GeoBIM aus?
CityGML ist ein relativ neuer offener Standard für die Modellierung von Städten. Diese Norm stammt aus der geografischen (GIS) Welt. Die GIS-Welt ist für ihre 2D-Karten bekannt, freundet sich aber auch bereits mit 3D-Objekten an. In CityGML wurde festgelegt, wie Straßen, Gebäude, Gewässer, Vegetation, Grünanlagen, usw. beschrieben werden. Da dies für ganze Städte geschieht, ist die Detailgenauigkeit eines Gebäudes in CityGML sehr begrenzt (bei weitem nicht so detailliert wie in IFC). Allerdings bietet CityGML die Möglichkeit, Erweiterungssätze zu definieren. Auf diese Weise können einem CityGML-Modell spezifische Informationen hinzugefügt werden (ähnlich PSET in IFC). Der Open-Source-BIMserver ist der Initiator der GeoBIM-Erweiterung. Diese CityGML-Erweiterung für GeoBIM-Information ermöglicht die Zuweisung von IFC-Daten an Gebäude in CityGML. Die BIMserver-Software hat eine Exportmöglichkeit nach CityGML und fügt während des Exports die IFC-Information entsprechend dieser offiziellen GeoBIM-Erweiterung hinzu.

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